Herbstzeit ist Erntezeit

Heidi Strobls legendärer Popcorn-Mais ist da!
Bunte Vielfalt frisch geerntet, jeder Kolben ist anders und einmal „gepoppt“ sind die Maiskörner kleiner, feiner und knackiger als herkömmliche…

Heidi Strobls Weinviertler Popcornmais

Unser Popcornmais wächst auf einem Acker im nordöstlichen Weinviertel. Das Saatgut vermehren und selektionieren wir seit rund 15 Jahren, die Mischung wird immer vielfältiger und bunter.

Heuer haben wir im Mai maschinell gesäht, die Beikräuter dann händisch und mechanisch in Schach gehalten. Die Maiskolben werden händisch ausgebrochen und sorgfältig am Dachboden getrocknet. Die schönsten stecken wir in unsere Popcornsackerln.


Jeder Kolben ist anders. Von dunkelrot über hellrot, lila, gelb bis weiß und bunt gesprenkelt, die Körner sind spitz, rund und alles dazwischen. Ins Sackerl kommen jeweils zwei möglichst unterschiedliche Kolben, sie müssen vor der Zubereitung selber abgerebelt werden. Wir belassen die Körner bewusst am Kolben, damit Kinder sehen, was Popcorn eigentlich ist. Eine bunt illustrierte Zubereitungsanleitung aus dem Kinderkochbuch „Lilli kocht“ (Tyrolia Verlag) liegt bei.

Übrigens: Nicht jedes Maiskorn poppt – nur spezielle Sorten explodieren beim Erhitzen. Und: gepoppt ist jedes Korn weiß. Unser Popkörner sind kleiner, feiner und knackiger als herkömmliche.

ZUAGRAST 🙂

Frauen aus sechs Ländern, die in Poysdorf leben, kochten vorigen Sonntag jeweils eine landestypische Speise. Ein unglaublich stimmiger, verbindender Abend unter der Linde beim Nachtwächterhaus.


Daraus ergab sich das Menü: Alma aus Bosnien: Zucchini-, Erdäpfel- und Fleischstrudel // Maria aus Kuba: Reis mit Bohnen // Nisha aus Indien: Chicken tikka mit Gewürzreis // Maryam aus dem Iran: Arabischen Kokoskuchen // Zusana aus Tschechien: kleine Golatschen // Polina aus Russland: süßes Baiser

Ein bunter Reigen aus Plaudereien und Workshops.

All diese Gäste haben uns seit 15. Juni mit ihren kulinarischen Gedanken bereichert. Fünf Veranstaltungen warten noch auf ihre Umsetzung!


Manfred Buchinger „I war so a klana Blada, der si ned vü traut hat.“ // Ingrid Aigner „Riegelkrapfen gehören einfach zu Poysdorf.“ // Pfarrer Kolo „Mit meinem Gehalt kann ich mir keine Köchin leisten.“ // Dieter Schwarz „Der Straußenhahn verteidigt seine Eier.“ // Viki Schreiber „Es geht um die Achtsamkeit.“// Mathias Herbst „Die ganz gehobene Küche, die is nix für mi. Da föht ma des Persönliche.“ // Marieke, Zart Pralinen „Kakaobohne ist nicht Kakaobohne.“ // Petra Regner-Haindl „Überall ist was Essbares zu finden.“ // Dominic Schreiber „Wir ernten vier Monate im Jahr Marillen frisch vom Baum.“ // Sohyi Kim „Meine Mama hat das beste Miso gemacht.“ // Wolfgang Galler „In Poysdorf gibt’s viele historische Schätze.“ // Horst Korschan „Bei uns gibt’s nur Natursauerteig.“

Es ist eröffnet!

Am Dienstag, den 14. Juni war es endlich soweit. „Übers Essen reden“ wurde bei bestem Wetter und bester Laune eröffnet. Also, nutzt den kulinarischen Inspriationsraum zum Schmökern und Plaudern und hinterlasst auch euer ganz persönliches Lieblingsrezept! Wir freuen uns darauf!

Geschafft!

Die 1000 Bücher sind im Nachtwächterhaus angekommen…

Heidi Strobl mit ihren 1000 Kochbüchern im kulinarischn Inspirationsraum.

Und was hat Schauspieler, Regisseur und Sprecher Ronny Hein dazu zu sagen?
Hören Sie selbst! 🙂

Extraportion Schönheit

lautet der Titel unseres „freizeit“ Frühlingsmenüs


Für die Vorspeise kreierte Mathias Herbst in Hanfthal bei Laa Lammtatar mit Gänseblümchen-Vinaigrette und Bärlauch, die Hauptspeise Tagliolini mit Zitronen-Fenchelfonds, Vogelmiere und Rosmarinblüten zauberte Heidi Ratzinger am Meidlinger Markt auf den Tisch und für das Dessert ließ Thomas Scheiblhofer vom Restaurant Tian Veilchen und Primeln aus brauner Ackererde sprießen.

Die ganze Geschichte samt Rezepten gibt es hier zu lesen!

Foto: Paul Ivic und Thomas Scheiblhofer, Tian

Luxushuhn & Schillingpreise

Das legendäre Weinhaus Strobl

Vom großen Braten zum Holstein-Schnitzel, von den Butterkartoffeln zu den Pommes frites, vom heimischen Kompott zur gefüllten Banane. Über Jahrzehnte gesammelte Speisekarten des Wiener Wirtshauses „Zur Schwarzen Katze“ zeigen den kulinarischen Wandel der Zeit.

Kalbsvögerl, Rahmzüngerl, Szegedinergulasch – die Speisekarte aus dem Jahr 1959 liest sich auch heute wie zeitgemäße Wirtshausküche und macht – zumindest Fleischessern – den Mund wässrig. Die kulinarischen Irrungen der 1970er-Jahre à la Holsteinschnitzel, Mixed Grill und Zigeuner-Kotelett sind überwunden. Aber der Weg zurück zum „echten Kochen“ war ein langer und kurviger.

Zurück ins Wien der 1930er-Jahre. An jedem Eck ein Wirtshaus. Viele der Gaststätten gehörten Weinviertler Bauernsprösslingen, die mit den eigenen Schweinen und Weinen in der Stadt äußerst willkommen waren. So auch Georg und Theresia Strobl, die 1931 ihr Gasthaus in Hernals eröffneten: meine Großeltern. Die angehende Wirtin lernte ihr Handwerk davor im legendären Stephanskeller am Stephansplatz, wo, wie sie später immer wieder erzählte, Tag für Tag riesige Teile von Kalb, Schwein, Rind in die Öfen geschoben wurden. Wirtshausküche bedeutete damals vor allem eines: Fleisch! Braten, Würste, Gulasch. Schweinefleisch kam bei den Strobls aus der eigenen Landwirtschaft. Am „Ruhetag“ wurde geschlachtet und gewurstet, am Tag darauf freuten sich die Stammgäste der „Schwarzen Katze“ über Leber, Nierndln, Hirn und Blunznsuppe. „Nose to tail“ als gelebte Notwendigkeit.

Das Huhn als Luxus. Der echte Luxus war 1959 das halbe Backhuhn um 20 Schilling. Im Vergleich dazu fiel das garnierte Rindfleisch um 11 und das Beefsteak um 14 Schilling richtig billig aus. Mit den Änderungen in der landwirtschaftlichen Tierhaltung begann sich das aber bald umzukehren.

1960 übernahmen meine Eltern die „Schwarze Katze“. Die ehrgeizige Jungwirtin durfte davor beim „Eckel“ in Sievering reinschnuppern, was ihren Küchenstil nachhaltig prägte. Dem allgemeinen Trend folgend, wichen allerdings auch unter ihrer Obhut in den 1970ern die „fertigen Speisen“, für die profundes Wissen und Handwerkskenntnisse nötig sind, vorübergehend den „frisch gemachten“. Das „echte Kochen“ wich dem „schnellen Abbraten“, was den Beruf des Kochs zunehmend uninteressant machte. Beilagen beschränkten sich auf Kartoffeln (ja, so sagte man schon damals in Hernals zu den Erdäpfeln), Knödeln, Reis und die paar bewährten Salate.
1963 standen erstmals Pommes frites auf der Karte. Bei aller Verlockung, es sich einfach zu machen, schafften es die tiefgekühlten Pommes glücklicherweise aber nicht, den großen Weidling mit dem lauwarmen Erdäpfelsalat aus unserer Küche zu verdrängen. Neben dem gebackenen Schnitzel überdauerten zumindest das Haussulz (1963 um 3 Schilling, 1993 um 45 Schilling) und das gekochte Rindfleisch all die Jahrzehnte in der „Schwarzen Katze“. Der große Topf mit abwechselnd Beinfleisch, Tafelspitz oder Hüferschwanzl stand schon allein der klaren Suppe wegen täglich am Herd. Samt Einlage gab’s die Suppe 1959 um 1,50, 1993 um 28 Schilling.

Gemüse in den Achtzigern. Gemüse gewann erst in den 1980er-Jahren an Bedeutung. Karfiol mit Butterbröseln und Spargel mit Sauce Hollandaise waren die ersten ernst zu nehmenden fleischlosen Speisen abgesehen von den gebackenen Champignons. Fisch spielte seine Rolle hauptsächlich als Sardellenringel, Gabelroller oder Matjestatar. Bei den Nachspeisen wichen mit der Zeit die selbst gemachten Kompotte den Dosenpfirsichen und Ananasscheiben, einzig die Malakoff-Torte hielt sich als Konstante über die Jahrzehnte – von 5 Schilling 1959 bis 35 Schilling 1993.
Der Wein kam in den 30er-Jahren in Fässern nach Wien, mit Pferdefuhrwerken. Die brauchten damals zwei Tage für die 50 Kilometer Brünnerstraße von Poysdorf. Einen großen Teil der Lieferung holten sich die Stammgäste mit Krügen direkt am Fuhrwerk ab, der Rest wurde in die Fässer im Keller gepumpt und nach und nach – wohl mit zunehmendem Essigstich – aufgebraucht.

Veltliner um 4,50 Schilling. Anfang der 1960er-Jahre zahlte man für das Vierterl Schankwein – etwa Neuburger, Grüner Veltliner oder Traminer zwischen 4,50 und 6 Schilling. Auch ein Klassiker auf der schwarzen Tafel hinter der Schank: Burschik-Wermut, als Vierterl ausgeschenkt.
Nach 60 Jahren und zwei Generationen verkaufte Herbert Strobl 1994 das Wirtshaus mit Haut und Haar. Für die Gäste sollte mit dem neuen Besitzer alles beim Alten bleiben. Leider war dem nicht so. Heute steht an der Stelle des jahrhundertealten Wirtshauses Ecke Hernalser Hauptstraße / Weißgasse ein fünfstöckiges Röntgeninstitut. Aber die Gansln meiner Mutter und meines Vaters im weißen Arbeitsmantel bleiben vielen Gästen unvergesslich. Und die Geschichten würden wohl ein ganzes Buch füllen.

Kurier freizeit, 21. März 2020

« Übers Essen reden »
Ein kulinarischer Inspirationsraum von Heidi Strobl
im Nachtwächterhaus Poysdorf
15. Juni– 15. August 20225

DAS PROJEKT 

AKTUELLE WORKSHOP-TERMINE
Die Termine werden laufend ergänzt.

TIPP: PLAUDEREIEN Fixtermin Donnerstag, 18 Uhr während der Projektlaufzeit. Dazu lädt Heidi Strobl jeweils einen kulinarisch inspirierenden Gast ein. Die Abende sollen unkomplizierte, gemütliche Plaudereinen sein, bei denen sich kulinarisch interessierte Menschen kennenlernen, austauschen und auch Neues entdecken können oder Fragen stellen, die sie schon immer interessiert haben. Offen für jedermann, ohne Anmeldung. Vielleicht bringt auch jemand die eine oder andere Flasche Wein mit, oder einen selbstgemachten Kuchen (Gläser und Teller stehen zur Verfügung). Bei Regen wird im Nachwächterhaus geplaudert, bei Schönwetter unter der Linde davor. Kurzfristige Änderungen sind möglich. Das Projekt „Übers Essen reden“ findet im Rahmen des VIERTELFESTIVALs Niederösterreich statt. Zu den aktuellen PLAUDER-Termine!

Mit Unterstützung von Land und Europäischer Union